Brötchen gegen Gewalt

Heute ist der „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ und weltweit machen viele Organisationen darauf aufmerksam. Flaggen werden an öffentlichen Gebäuden gehisst und Brötchen, Gebäck und Kleinkram wird heute oft in besonderen, bedruckten Tüten verkauft, die über lokale Beratungs- und Hilfsangebote informieren.

Wir waren auch dabei, allerdings konnten wir keine fertig bedruckte Brötchentüten bestellen, sondern Aufkleber und Tüten, beides musste dann noch irgendwie zusammenkommen. Also hieß es: Einen Abend lang kleben, mit Freund*innen, bei Tiefkühlpizza, Apfelsaft und dem ersten Spekulatius des Jahres.

Ich mag es, wohin mich mein politisches Hobby, dass eigentlich gar nicht mehr so ganz neu ist, aber sich noch manchmal so anfühlt, mich hinführt. Aufkleber kleben, Flyer verteilen, Plakate entwerfen, Transparente besprühen. Etwas tun. Schönes Gefühl.

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still <3ing streetart

Schablonengesprühtes Streetartbild mit dem Schriftzug "Still &lt;3ing Feminism", rot auf heller Hauswand

Als ich gestern auf einem anderen Weg zur Uni durchs Viertel gefahren bin, als normalerweise, hat mir ein kleines bisschen unerlaubter Straßenkunst zugezwinkert. Hach. <3

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quotamour #1

“Ich selbst habe nie genau herausgefunden, was der Feminismus eigentlich ist: Ich weiß nur, dass man mich als Feministin bezeichnet, wann immer ich Gedanken äußere, die mich von einem Fußabtreter unterscheiden.”

Rebecca West, 1913

Gelesen in: Susan Faludi: Backlash

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verstummt

Um ein Blog zu beginnen, braucht man einen Namen. Für andere Menschen scheint das kein Problem zu sein, ich brauche dazu ewig. Dementsprechend ist zwischen „Ich hätte gerne ein feministisches Webblog“ und dem Launch (wusch!) von Copper, Boom! ganz schön viel Zeit ins Land gegangen; Zeit in der es mir oft nahezu unerträglich in den Fingern gejuckt hat, endlich zu „meinem“ Thema zu schreiben.

Und jetzt… tja. Jetzt habe ich einen Ort, wo all die Gedanken und Ideen hingehören könnten und nutze ihn kaum. Es kommt nichts, fast nichts.

Ich habe das unterschätzt. Wie schwer es ist, in diesem Thema meine eigene Sprache zu finden, mich den imaginären Anderen, den Zweifelnden, den Kritischen und schließlich auch den Trollen gegenüberzustellen und denen anzuschließen, die ihre Sprache scheinbar bereits gefunden haben.

Sprachlosigkeit, denke ich, immerhin. Ist schließlich eines der vielen Wörter, die eine ganz neue Bedeutung für mich bekommen habe, seitdem ich mich bewußt mit feministischen Themen beschäftige. Weil es so bedeutsam sein kann, darauf zu achten wer eigentlich sprechen und gehört werden kann und wer wann keine „Stimme“ hat.  Und weil die Sprache auf einmal wichtiges Werkzeug wird, noch wichtiger als vorher, auch als Geisteswissenschaftlerin, aber auch zur ewigen Baustelle, auf der es plötzlich so viel zu tun gibt. Jedes Wort wird neu beleuchtet, viele aussortiert, durch bessere Begriffe ersetzt, immer weniger geht leicht von den Lippen, überall tun sich Fallen auf.

„Wenn man neu über die eigene Sprache nachdenken muss“, hat eine Komilitonin damals im Seminar gesagt, „dann ist es ganz normal, dass man erstmal verstummt.“

Und wenn die neuen Vokabeln einigermaßen sitzen, wenn die Sätze fließend kommen, wenn auch die anderen die neue Sprache an mir hören, dann verändert sich ihr Bild von mir und ich kann mir überlegen, wie mir das gefällt. Arbeite ich mich an den Stereotypen ab, die ich in den Augen der anderen erkenne, versuche ich mich als „entspannt und unkompliziert“ zu konstruieren was einfacher war, als meine Raster für „das geht gar nicht“ und „das finde ich problematisch“ noch weitmaschiger waren, als sie es heute sind?

Und auf einmal fällt mir wieder so viel ein, was ich erzählen könnte. Na bitte. Das wird schon noch.

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Ach wie gut, dass jede*r weiß…

Ich bin über einen Blogpost gestolpert, in dem Copper, Boom! erklärt wird. Falls, wenn ich bald eine berühmte Alpha-Bloggerin bin, ihr mich alle danach fragt.

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contra

Ich habe in den letzten Wochen zwei SlutWalks erlebt, davon einen auch ziemlich aktiv mit organisiert.

Politisch klug wäre es wohl, die vielen positiven Aspekte hervorzuheben, von der großen Anzahl Menschen, die das Thema auf die Straßen getrieben hat, von der sympathischen Clique mit ihren „Fight for Feminism“ Sprechchören vor mir gestern, von dem beeindruckend gut informierten Moderator vom Campusradio, von den vielen glücklich lächelnden Passantinnen und Passanten) aber was mich beschäftigt und wovon ich erzählen will, sind die negativen.

Mich beschäftigen die pöbelnden betrunkenen Typen, die uns gestern gefolgt sind, um die Demonstrierenden immer wieder zu beschimpfen, mich beschäftigen die wenigen, aber stereotypen Trolle in unserer SlutWalk-Facebookgruppe, mich beschäftigen die alten Herren, die ich im Vorbeigehen habe sagen hören „Ich weiß doch, was die wollen“ und „Die hier mitlaufen sind doch eh nur die, an die keiner ran will“ und vor allem beschäftigt mich der junge Mann, dem ich einen Infoflyer anbot und der mir in die Augen blickte und den Mittelfinger rausstreckte.

Gegen dich demonstriere ich hier also, dachte ich. Du bist also das Gesicht von meinem Unwohlsein, wenn ich nachts durch die Straßen laufe, von der Überzeugung, dass Frauen vom Menschsein irgendwie weiter entfernt sind als Männer und von dem Festhalten an einem Geschlechterverhältnis, das gar nicht schnell genug verschwinden kann.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die so denken. Ich bin darin ausgebildet, die Strukturen zu sehen, die gesellschaftlichen Prozesse die zu all den Dingen führen, gegen die man so slutwalken kann. Trotzdem weiß ich auch, dass es Individuen gibt, die all diese Dinge, die mich so wütend und manchmal sogar verzweifelt machen, gut finden und wollen dass es so bleibt. Sie treiben sich in Kommentarfeldern im Internet herum, im Freundeskreis meiner Eltern, auf Partys im Bekanntenkreis. Mit dem Leben, dem Studium und dem Beruf den ich gewählt habe, sicherlich auch mit diesem Blog, habe ich mich entschiedenen, mich mit ihnen herumzuschlagen.

Und doch kann ich mich einfach nicht daran gewöhnen, dass sie sich nicht zu blöd sind, diese Dinge auf der Straße laut auszusprechen. Dass sie mir ihr menschenverachtendes Weltbild mit ihrem Mittelfinger ins Gesicht strecken.

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Das F-Wort

Ich hab mich noch nie so gut mit einer Taxifahrerin unterhalten. Ich hab mit ihr über meinem Studium geredet, von der Arbeit in der Hochschulpolitik, von SlutWalks und über Geschlechterrollen und Gewalterfahrungen beim Taxifahren.

Als ich beim Aussteigen scherze, dass ich mir ihre Telefonnummer nicht merken könnte, egal wie einfach die sei, meint sie, als Fast-Feministin müsste ich doch besonders gut mit Zahlen umgehen können, um allen zu zeigen dass die Vorurteile nicht stimmen.

Das „Fast“ können sie gerne streichen, grinse ich sie an und sie sagt, dass sie mich nur nicht beleidigen wolle. Bei „Feministin“ denke sie immer an Alice Schwarzer und die sei doch so furchtbar.

Uiui. Ach weh.

Ich glaube, ich bin Feministin, also ausdrücklich und selbstbenannt mit diesem Wort, seitdem ich Charlotte Roche mal in einem Interview habe sagen hören: „Ja natürlich bin ich das. Wenn ich sagen würde, ich bin keine Feministin, würde ich doch sagen, dass ich nicht für die Gleichstellung von Männern und Frauen bin.“

Und das ja nun wirklich nicht.

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Blog’n’Grrrrl!

Dieses Blog sollte eigentlich zwei Jahre älter sein. Mindestens.

Seit langem schon will ich ein feministisches Webblog haben. Seit mindestens zwei Jahren, als ich anfing, Gender Studies zu studieren und schreibenschreibenschreiben wollte. Darüber, wie sich meine Welt verändert hat, wie mein Blick (von dem ich natürlich damals dachte, er sei eigentlich schon fertig) von einem komplexen, neuen Filtersystem durchdrungen wurde und alles (alles!) anfing, ganz anders auszusehen. Ich wollte die Verwandlungen, die ich durchmachte, dokumentieren und denen, denen ich immer unverständlicher werden musste, eine Möglichkeit geben, hinterherzukommen.

Jetzt bin ich schon seit fast zwei Jahren unterwegs, habe in der GenderSudiesFeminismusQueerGedöhns-Welt ein neues Zuhause, eine wohnliche Identität gefunden und nachdem mir beim Duschen endlich eingefallen ist, wie ich mein feministsiches Blog gerne nennen möchte, habe ich hier auch  – endlich endlich endlich! – eine Stimme.

Auf geht’s!

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