{Spam Marriage?}

M. heiratet.

Früher mal war mir M. so vertraut wie niemand sonst und ich hab mich bei ihr am besten verstanden gefühlt. Heute strengen wir uns an, damit wir es schaffen, zweimal im Jahr zu telefonieren. Sobald die Verbindung steht, finde ich problemlos zurück zu dem, wie wir uns zu dieser Zeit angefühlt haben.

Jetzt heiratet sie und ich bin eingeladen und ich brauche ein Kleid und ein Geschenk und eine Übernachtung in Berlin und vor allem brauche ich Antworten.

Ehe, im Sinne von Ja-Nein-Wiedennjetzt ist ein komplexes Thema, mit dem sich schon viele Feminist_innen viel Arbeit gemacht haben. Ich mache mir wenig Arbeit, schließlich habe ich schon für M.s Geschenk stundenlang kuschelnde Origamikatzen gebastelt und Herzchen ausgestanzt. Hier verweise ich nur kurz darauf, dass man bei Gerda Lerner lesen kann, dass die Ehe quasi zusammen mit der Sklaverei erfunden worden ist, um diese besser zu organiseren und zu erleichtern (lange her) und bei Sushila Mesquita, warum sie auch mit Regenbogen-Content nicht nicht-hierarchisch und ausschließend, also problematisch zu denken ist (sehr aktuell). Weil ich das bestimmt ganz vermurkst wiedergegeben habe, hier noch ein Verweis darauf, dass man die Autorin hier auch hören kann.

Also, alles nicht so einfach, aber das ist nur Rahmenhandlung. Sowohl für eine Hochzeit, als auch für eine Entscheidung für oder gegen den eigenen Nachnamen gibt es viele, gute Gründe. Einige davon sind bürokratisch und der Gesetzeslage geschuldet, andere den eigenen Vorlieben und Lebensentwürfen. Meckern möchte ich ausdrücklich nur an ersteren.

Ich freu mich sehr, zu Hochzeiten eingeladen zu werden. Ich stanze gerne Herzchen aus, ich besitze Schuhe die den Spagat zwischen Glamour und bequem perfekt hinkriegen und ich mag Torte. Und bei einem Stück Torte könnten wir vielleicht irgendwann mal über Gerda Lerner reden, aber das eilt auch nicht.

Viele Gedanken mache ich mir dabei aber auch und dabei ist mir eine Idee gekommen, von der ich hier gerne erzählen möchte:

M. wird ihren Nachnamen aufgeben und den ihres Bald-Mannes annehmen und sie hat gute Gründe dafür. Gute Gründe aus beiden der oben angerissenen Kategorien.

M. wollte mit mir einen „feministischen Club“ gründen, da waren wir 15 und es gab noch keine Blogs und ich hatte keine Ahnung, dass das eine verdammt coole Idee war. Ich hab sie ausgelacht. Vielleicht schulde ich ihr da was.

Ich hab nach „feministischen Hochzeitsgeschenken“ gegoogelt, erfolglos. Mich wundert, dass ich nicht fand, was mir dann einfiel, es scheint mir so naheliegend: Ich möchte M. ihren Nachnamen schenken. Schließlich bin ich die Freundin von früher, wir haben Amazonen-Romane getauscht. Natürlich gehört mir ihr Nachname eigentlich gar nicht, der gehört M.s Eltern. Ich schenke ihn ihr also nicht wirklich, ich hebe ihn ihr nur auf.

Ich habe ihn auf ein Stück Stoff gestickt und eingerahmt. Sie kann ihn an die Wand hängen, oder ins Regal stellen, sie kann ihn auch gerne in einer kleinen Kiste verstecken und alle paar Jahre mal rausholen und angucken, wenn sie grade das Gästebett im Schrank verstaut.

20130923_222048

Eine Trauung ist ein Übergangsritus, un rite de passage, ein neuer Abschnitt, ein neuer Status. Daran ist viel schönes, einiges zu meckern (Torte?) und etwas melancholisch ist das auch. Das alles ist so überhäuft mit Symbolen, für die Liebe, für das was kommt, für all die guten Wünsche, jede Menge Kram – ein weiteres Symbol stört da nicht, finde ich. Auf das was war, das was vergangen ist, das was rituell aufgegeben wird… aufgegeben wird?

Ich mag die Idee, zu sagen: Schön, dass Du heute was neues wirst. Aber das was Du warst, was wir waren, das bist du auch noch. Das verlierst du nicht und du gibtst es nicht auf. Wenn du es mal brauchst, helf ich dir gerne beim erinnern.

Ich kann auch die Gefahr sehen. Ich kann verstehen, warum manch eine*r sich da auf den Schlips oder die Schleppe getreten fühlen könnte. Bekopfschüttelt, belächelt, der Bräutigam beargwöhnt.

So ist es nicht gedacht. Ich schreibe wohl noch einen Brief dazu. Und denke noch ein wenig nach. Gerne auch über Gedanken von Euch, wenn Ihr welche für mich habt.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Alltag veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu {Spam Marriage?}

  1. Katrin sagt:

    Mir fällt zu dem Thema was ein, das hab ich mal auf einem Hochzeitsblog gelesen, da ging es um diese ganzen Nachnamensaufgabe Sache und dort keimte die Idee, dass es doch schön wäre, wenn man quasi einen neuen Lebensabschnitt anfängt und eine neue Familie gründet, warum man sich dann nicht zusammen einen neuen Nachnamen aussuchen kann.
    Find ich irgendwie ne gute Idee.
    Und dein Geschenk finde ich tatsächlich auch sehr, sehr süß und eine tolle Idee, ich hoffe M. freut sich 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.