verstummt

Um ein Blog zu beginnen, braucht man einen Namen. Für andere Menschen scheint das kein Problem zu sein, ich brauche dazu ewig. Dementsprechend ist zwischen „Ich hätte gerne ein feministisches Webblog“ und dem Launch (wusch!) von Copper, Boom! ganz schön viel Zeit ins Land gegangen; Zeit in der es mir oft nahezu unerträglich in den Fingern gejuckt hat, endlich zu „meinem“ Thema zu schreiben.

Und jetzt… tja. Jetzt habe ich einen Ort, wo all die Gedanken und Ideen hingehören könnten und nutze ihn kaum. Es kommt nichts, fast nichts.

Ich habe das unterschätzt. Wie schwer es ist, in diesem Thema meine eigene Sprache zu finden, mich den imaginären Anderen, den Zweifelnden, den Kritischen und schließlich auch den Trollen gegenüberzustellen und denen anzuschließen, die ihre Sprache scheinbar bereits gefunden haben.

Sprachlosigkeit, denke ich, immerhin. Ist schließlich eines der vielen Wörter, die eine ganz neue Bedeutung für mich bekommen habe, seitdem ich mich bewußt mit feministischen Themen beschäftige. Weil es so bedeutsam sein kann, darauf zu achten wer eigentlich sprechen und gehört werden kann und wer wann keine „Stimme“ hat.  Und weil die Sprache auf einmal wichtiges Werkzeug wird, noch wichtiger als vorher, auch als Geisteswissenschaftlerin, aber auch zur ewigen Baustelle, auf der es plötzlich so viel zu tun gibt. Jedes Wort wird neu beleuchtet, viele aussortiert, durch bessere Begriffe ersetzt, immer weniger geht leicht von den Lippen, überall tun sich Fallen auf.

„Wenn man neu über die eigene Sprache nachdenken muss“, hat eine Komilitonin damals im Seminar gesagt, „dann ist es ganz normal, dass man erstmal verstummt.“

Und wenn die neuen Vokabeln einigermaßen sitzen, wenn die Sätze fließend kommen, wenn auch die anderen die neue Sprache an mir hören, dann verändert sich ihr Bild von mir und ich kann mir überlegen, wie mir das gefällt. Arbeite ich mich an den Stereotypen ab, die ich in den Augen der anderen erkenne, versuche ich mich als „entspannt und unkompliziert“ zu konstruieren was einfacher war, als meine Raster für „das geht gar nicht“ und „das finde ich problematisch“ noch weitmaschiger waren, als sie es heute sind?

Und auf einmal fällt mir wieder so viel ein, was ich erzählen könnte. Na bitte. Das wird schon noch.

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