contra

Ich habe in den letzten Wochen zwei SlutWalks erlebt, davon einen auch ziemlich aktiv mit organisiert.

Politisch klug wäre es wohl, die vielen positiven Aspekte hervorzuheben, von der großen Anzahl Menschen, die das Thema auf die Straßen getrieben hat, von der sympathischen Clique mit ihren „Fight for Feminism“ Sprechchören vor mir gestern, von dem beeindruckend gut informierten Moderator vom Campusradio, von den vielen glücklich lächelnden Passantinnen und Passanten) aber was mich beschäftigt und wovon ich erzählen will, sind die negativen.

Mich beschäftigen die pöbelnden betrunkenen Typen, die uns gestern gefolgt sind, um die Demonstrierenden immer wieder zu beschimpfen, mich beschäftigen die wenigen, aber stereotypen Trolle in unserer SlutWalk-Facebookgruppe, mich beschäftigen die alten Herren, die ich im Vorbeigehen habe sagen hören „Ich weiß doch, was die wollen“ und „Die hier mitlaufen sind doch eh nur die, an die keiner ran will“ und vor allem beschäftigt mich der junge Mann, dem ich einen Infoflyer anbot und der mir in die Augen blickte und den Mittelfinger rausstreckte.

Gegen dich demonstriere ich hier also, dachte ich. Du bist also das Gesicht von meinem Unwohlsein, wenn ich nachts durch die Straßen laufe, von der Überzeugung, dass Frauen vom Menschsein irgendwie weiter entfernt sind als Männer und von dem Festhalten an einem Geschlechterverhältnis, das gar nicht schnell genug verschwinden kann.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die so denken. Ich bin darin ausgebildet, die Strukturen zu sehen, die gesellschaftlichen Prozesse die zu all den Dingen führen, gegen die man so slutwalken kann. Trotzdem weiß ich auch, dass es Individuen gibt, die all diese Dinge, die mich so wütend und manchmal sogar verzweifelt machen, gut finden und wollen dass es so bleibt. Sie treiben sich in Kommentarfeldern im Internet herum, im Freundeskreis meiner Eltern, auf Partys im Bekanntenkreis. Mit dem Leben, dem Studium und dem Beruf den ich gewählt habe, sicherlich auch mit diesem Blog, habe ich mich entschiedenen, mich mit ihnen herumzuschlagen.

Und doch kann ich mich einfach nicht daran gewöhnen, dass sie sich nicht zu blöd sind, diese Dinge auf der Straße laut auszusprechen. Dass sie mir ihr menschenverachtendes Weltbild mit ihrem Mittelfinger ins Gesicht strecken.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu contra

  1. Ich glaube, diese Menschen sehen auch keine Menschen.
    Vermutlich sehen sie nicht einmal Frauen (im biologischen Sinn).
    Sie sehen Feministinnen, Schlampen, Zicken… vielleicht auch einfach nur einen fies stechenden Stachel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.